Archiv für den Monat: Januar 2015

je suis

Drei alte Könige, Freunde seit Menschengedenken, verarmten in wenigen Jahrhunderten derart, dass sie nicht mehr von gemeinen Landstreichern zu unterscheiden waren.
Gemeinsam zogen sie in Lumpen durch die Wüste und waren Abend für Abend auf die Barmherzigkeit von Menschen angewiesen, die ihre notdürftigen Behausungen unentgeltlich mit ihnen teilten.
Eines Abends führte der Weg an eine Tür, die aufrecht in der Dämmerung stand, ohne dass dahinter ein Gebäude zu sehen war, in das sie hineinführen könnte. Weil er müde war und nicht mehr weiter wusste, klopfte einer der drei Alten mit knorrigem Knöchel. Es dauerte eine ganze Weile, aber dann öffnete ihnen eine hochgewachsene Person, nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind.
Wer seid ihr, und warum kommt ihr daher wie Clochards, fragte sie die drei. Denn ich sehe doch an den silbernen Stickereien an euren verblichenen Kleidern, dass ihr von hohem Hause seid.
Die Alten schwiegen lange. Aber die Luft wurde dünn, und so bleib ihnen nichts anderes übrig, als zu antworten.
Ich habe Bücher verbrannt, sagte der erste, nun bin ich selbst ein verkohltes Blatt, ein Haufen Asche.
Ich habe Häuser zerstört, sagte der zweite, und nun irre ich von Heute nach Gestern, von Gestern nach Vorgestern, und werde bald im Nirgendwann enden.
Ich habe getötet, flüsterte der dritte, nun gleiche ich einer tonlosen Flöte,
und meine Stimme wird von niemandem mehr gehört.

An dieser Stelle bleibt die Geschichte stehen und atmet tief ein. In dem unermesslichen Raum hinter der Tür sagt die Person nur:
Oh.
Ich bin Charlie.